Picture Exibition: Farmers' Experiments in Cuba (only in German)


Mojitos, Zigarren, Salsa, Che Guevara: Neben den bekannten Klischees hat Kuba aber noch viel mehr zu bieten. Vor allem Bäuerinnen und Bauern mit ihren Experimenten und Innovationen zur Ökologisierung der Landwirtschaft in Kuba ziehen immer wieder Interesse auf sich.
Finden Sie unter dem folgenden Hintegrund-Beschreibung die einzelnen Fotos der Ausstellung mit den jeweiligen Beschreibungen.


„Inventamos algo” – Experimentos Campesinos en Cuba

„Erfinden wir was“ – Bäuerliche Experimente in Kuba

Vor dem Jahr 1989 war die kubanische Landwirtschaft nicht auf Lebensmittelproduktion für die eigene Bevölkerung ausgerichtet. Es wurden vorwiegend Zucker und andere „Südfrüchte“ für die Sowjetunion produziert. Im Gegenzug erhielt das Land Lebensmittel sowie Agrochemikalien, Maschinen und Treibstoff zu günstigen Preisen.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten Europas brachte die kubanische Wirtschaft in arge Bedrängnis. Die große Abhängigkeit Kubas von importierten Betriebsmitteln führte zu drastischen Ertragseinbußen in der Landwirtschaft. Für private Bauern wurde es nahezu unmöglich synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu beziehen. Diese Situation führte dazu, dass Bauern und Bäuerinnen ihre Felder ohne diese synthetischen Betriebsmittel bewirtschaften mussten. Bäuerliches Erfahrungswissen, Experimente und Innovationen von Bauern spielten dabei eine wichtige Rolle.

Bauern und Bäuerinnen experimentierten um die Herausforderungen der Lebensmittelversorgung annehmen zu können. Die Kubanische Regierung reformierte die Landwirtschaft um den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen. Es entstanden neue Organisationsstrukturen und –formen. Die staatlichen Großbetriebe wurden aufgegliedert und diversifiziert. Land wurde unentgeltlich an Personen vergeben, die bereit waren es zu bewirtschaften. Der Einsatz von Zugtieren und die Produktion von Biologischen Dünge- und Spritzmitteln wurden gefördert. Die städtische Bevölkerung wurde von landwirtschaftlichen Instituten dabei unterstützt auf ungenützten Flächen Gemüseanbau zu betreiben. Bauernmärkte basierend auf Angebot und Nachfrage wurden zugelassen. Damit startete in Kuba ein landesweites – und weltweit einzigartiges –Experiment mit nachhaltiger und ressourcenschonender Produktion.

Auch heute noch haben Bäuerliche Experimente und Innovationen einen hohen Stellenwert in der kubanischen Landwirtschaft. Sie sind ein essentieller Bestandteil bäuerlichen Wirtschaftens und so vielfältig wie die Menschen die sie durchführen. Sie sind lösungsorientiert und tragen dazu bei, die Landwirtschaft an laufende Veränderungen anzupassen. Durch Experimente sammeln Bauern und Bäuerinnen Erfahrungen und erweitern ihr Lokales Wissen. Ihre Innovationen verbessern die Wirtschaftlichkeit des Betriebes und sind deshalb Motor für landwirtschaftliche Entwicklung.

Mojitos, Zigarren, Salsa und Che Guevara werden Sie bei dieser Ausstellung vergeblich suchen. Hier präsentieren Kubanische Bauern und Bäuerinnen ihre Experimente und Innovation und geben damit einen Einblick in die Vielfalt und das Potenzial ihrer Versuchstätigkeit.
Die Fotos dieser Ausstellung entstanden in den Jahre n 2007 und 2008 im Rahmen des Forschungsprojektes „Organic Farmer’s Experiments – Learning Local Knowledge“ (Finanzierung: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung - FWF. Die Forschungsarbeiten für dieses Projekt fanden in Kuba, Österreich und Israel statt. Die Feldforschung in Kuba wurde erst durch die Forschungskooperation der Universität für Bodenkultur (BOKU) mit der Estación Experimental Indio Hatuey (EEIH) an der Universität Matanzas und dem Instituto Nacional de Ciencias Agrícolas (INCA) möglich. Weiters bestand eine Kooperation mit dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau (FiBL) die es ermöglichte mit zertifiziert biologischen Bauern Kontakt aufzunehmen.


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Model Well

Der ehemalige Schullehrer lebt in einer kleinen Stadt und arbeitet als Verwalter in einem städtischen Gemüsebaubetrieb (Organoponico). Um die Wasser-versorgung in der Stadtlandwirtschaft sicherzustellen ist meistens ein Brunnen notwendig. So auch auf diesem Betrieb. Deshalb beschloss der Verwalter einen Brunnen zu bauen. Vorab baute er ein detailreiches Modell aus Holz um seinen Plan zu veranschaulichen.

 

 


Cooking Utensil

Kochen in Kuba bedeutet viel Zeit in der Küche zu verbringen. Vor allem am Land wird häufig noch auf offenem Feuer gekocht. Reis und Bohnen sind wichtiger Bestandteil der kubanischen Küche. Vor allem im Osten der Insel ist es üblich Speisen zu färben. Traditioneller Weise werden färbende Samen (achote) in ein kleines Tuch gewickelt und ins Essen getunkt. Dabei macht sich die Köchin aber die Finger schmutzig. Um das zu vermeiden verwendet diese Bäuerin eine alte Medikamentendose aus Plastik die sie mit einer Schere durchlöcherte und an einen Holzstiel klebte. Die färbenden Samen gibt sie nun in die Plastikdose und tunkt diese in den Kochtopf. Ohne sich die Finger schmutzig zu machen.


Disc Plough

In Kuba sind modere Maschinen und Arbeitsgeräte für die Landbewirtschaftung selten zu sehen. Private Bauern sind meist auf ihr Innovationstalent angewiesen um die Auswahl ihrer Arbeitsgeräte zu erweitern. Dieser Bauer beschloss einen Scheibenpflug zu bauen um sich die Arbeit zu erleichtern und um unabhängig von externem Maschineneinsatz zu werden. Ein Jahr lang dauerte es bis er die notwendigen Materialien zusammengetragen hatte und loslegen konnte. Gemeinsam mit seinem Neffen bastelte er einen ganzen Tag lang an dem Pflug. Mit dem Gerät spart der Bauer Geld, hat weniger Arbeit und leistet seinen Beitrag zum Umweltschutz, da er nur mit dem Ochsengespann arbeitet.


Pealed Trunk

In den Bergen der Sierra Maestra im Osten von Kuba werden Biokokosnüsse für den Export angebaut. Nach einem mehr als einstündigen Fußmarsch über einen schmalen Bergpfad gelangt man zur Kokos- und Kakaoplantage dieses Bauern. Die fertigen Kokosnüsse werden mit einem Maultier ins Tal transportiert. Die größte Herausforderung beim Kokosnussanbau fernab der Küste ist der Milbenbefall. Es gibt wenige Möglichkeiten diesem Schädling beizukommen. Ein anderer Kokosnussbauer aus der Region empfahl, die Rinde der befallenen Palmen ringförmig zu schälen. Trotz großer Skepsis  probierte der Bauer das bei einer Palme aus. Er war positiv überrascht, als der Milbenbefall bei dieser Palme nachließ.

 

 


Farmer Communication

Persönlicher Erfahrungsaustausch zwischen Gleich-gesinnten ist wichtiger Bestandteil des bäuerlichen Alltags. Dabei werden unter anderem produktions-technische Probleme besprochen und Lösungs-vorschläge ausgetauscht. Durch informelle Gespräche tauschen Bauern Informationen aus, lernen dazu und erweitern ihr Wissen. Bauern verwenden eine ähnliche Sprache und begegnen sich auf gleicher Ebene. Dadurch entsteht gegenseitiges Vertrauen. Dieses Vertrauen führt dazu, dass Ratschläge eher angenommen werden. Die aktive Kommunikation von Erfahrungen trägt dazu bei Bäuerliche Experimente und Innovationen zu verbreiten.


Filling the Bottle

In Kuba war das Haltbarmachen von Obst und Gemüse lange Zeit unüblich. Obst- und Gemüsekonserven wurden aus den Ostblockstaaten importiert. Heutzutage stellen immer mehr Bäuerinnen Konserven zu Hause her. Da die Verfügbarkeit von geeigneten Küchenutensilien begrenzt ist, wurde diese Bäuerin erfinderisch. Um die Flaschen ohne Trichter mit Mangosaft zu füllen verwendet sie einen Schlauch. Sie stellt die Flasche mit dem Schlauch kopfüber in die Flüssigkeit und saugt die verbleibende Luft aus der Flasche. Dadurch entsteht ein Vakuum, das sogleich mit Mangosaft aufgefüllt wird.


Market

Freier Markt im Herzen des Sozialismus. In größeren Städten finden regelmäßig landwirtschaftliche Märkte statt für die ganze Straßenzüge abgesperrt werden.  Obst und Gemüse werden direkt vom Lastwagen aus verkauft oder die VerkäuferInnen stellen einfache Stände auf. Hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis.

 


Variety Testing

Dieser Bauer nimmt an einem Projekt teil, bei es um die Züchtung, Erhaltung und Weitergabe von land-wirtschaftlichen Kultursorten geht (Participatory Plant Breeding). Er führte Versuche mit 32 Yucca Sorten durch, um die geeignetsten für seine Anbau-bedingungen zu finden. Nachdem er die besten Sorten gefunden hatte, entschied er sich alle anderen Sorten auf kleinen Parzellen weiterhin anzubauen, um sie bei Bedarf weitergeben zu können.


Water Harvesting

Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks haben viele Menschen in Kuba mit der Landwirtschaft begonnen. Manche haben nur einen Hausgarten angelegt, andere wurden richtige Bauern. Dieser Bauer bewirtschaftet eine kleine Fläche in unmittelbarer Nähe seines Wohnblocks. Er baut dort Obst und Gemüse für den Eigenbedarf an und konnte dadurch die Vielfalt auf dem Speiseplan seiner Familie erhöhen. Um über die trockenste Zeit des Jahres zu kommen sammelt er seit einiger Zeit Regenwasser. Er baute dafür ein Holzgestell, über das er eine Plastikplane spannte. Das Wasser rinnt in eine Tonne, die durch einen Überlauf mit einer zweiten Tonne verbunden ist. Die zweite Tonne wird bei Bedarf gewechselt. Den Platz unter der Plastikplane nutzt der Bauer um die empfindlichen Jungpflanzen vor der tropischen Sonne zu schützen.


Well

Wasser ist vor allem während der Trockenzeit ein kostbarer Rohstoff. Ein eigener Brunnen kann dazu beitragen die trockenste Zeit des Jahres zu überstehen. Dieser Bauer hält Milchkühe auf seinem kleinen Hof. Um die geringe Fläche optimal nutzen zu können hat er bereits vor Jahren mit einer Umtriebsbeweidung begonnen. Er hat dazu 52 kleine Flächen mit Lebend-zäunen abgetrennt. Jede Woche weiden seine Kühe auf einer anderen Koppel. Um eine permanente Wasser-versorgung zu gewährleisten baute er schon vor vielen Jahren einen Brunnen. Es dauerte fast ein Jahr um die notwendigen Materialien zu sammeln. Er verwendete einen alten Elektromotor, ein altes Fahrrad, und ausgedienten Baustahl.


Wine Production

Wein ist in Kuba nur selten erhältlich und für Normalverdiener kaum leistbar. Hausgemachter Obst-wein erfreut sich daher immer größerer Beliebtheit. Dieser Hobbybauer ist von Beruf Universitätsprofessor und wohnt in einem kleinen Dorf  in der westlichen Provinz Pinar Del Rio. Sein Haus ist umgeben von ein paar Quadratmetern Garten, den er für urbane Landwirtschaft nutz. Er baut etwas Obst und Gemüse an und hält Hasen. Seine Leidenschaft ist jedoch der Wein, den er aus verschieden tropischen Früchten herstellt. Er experimentierte mit verschiedenen Früchten um deren Eignung für die Weinherstellung zu testen. Außerdem versucht er ständig die Qualität seiner Produkte zu verbessern. Er begann mit der Weinherstellung aus persönlichem Interesse und weil er damit das Familieneinkommen aufbessern kann.


Car

In wohl keinem anderen Land fahren so viele Oldtimer auf den Straßen wie in Kuba. Mit viel Einfallsreichtum und Ausdauer werden diese Schmuckstücke in mühevoller Arbeit am Leben erhalten. Unzählige Stunden Arbeit stecken in so einer 50 Jahre alten Limousine. Wegen dem US Handelsembargo sind Ersatzteile und Werkzeug Mangelware. Daher sind neben fachlichen Kenntnissen auch Improvisations-talent und Kommunikationsvermögen notwendig um so ein Auto fahrtüchtig zu halten.


Malecon

El Malecón - einst die Prachtstraße von Havanna und eine der berühmtesten Stadtpromenaden weltweit. Die kilometerlange Küstenlinie ist Anziehungspunkt für Alt und Jung. Die Stimmung schwankt mit dem Wetter. Zu jeder Tages- und Nachtzeit treffen sich hier Einheimische um ihren Blick in die Ferne schweifen zu lassen, sich zu unterhalten, zu feiern und zu baden.